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Claudia Brefeld                                                                     artgerecht & ungebunden




Claudia Brefeld: Haibun

 

 



 

Wilder Garten

Das Auto quält sich die letzte Anhöhe hinauf – vollbepackt, stotternd. Mein Mann ist genervt, wir sind genervt. Wo ist das verflixte Haus? Schauen, anhalten, fragen – und weiter. Endlich, am Ende einer verschlungenen Bergstraße, unser Ziel.

Steif vom langen Sitzen, steige ich aus. Schwüle liegt am Berghang, in den Büschen, in den Tannen. Die Erde dampft. Abgespannt wuchten wir die Koffer aus dem Auto. T-Shirt und Hose kleben, alles klebt – wir stöhnen und schwitzen und sind müde und sind hungrig. Ziemlich wild sieht es in der Hütte aus. Irgendwie ungemütlich.

Das Abendessen verlagern wir nach draußen - dort lassen die Insekten nicht lange auf sich warten. Das kleine Tischchen an der Haustür wackelt, dann kippt eine Tasse – landet in der Brotschale. Frustriert, enttäuscht - das Essen ist bald beendet – verstauen wir die Sachen, um endlich schwer ins Bett zu fallen.

     Mondlose Nacht –
     durch die Schwüle
     dringt kein Laut

Am Morgen packen die Kinder den Tisch, stellen ihn mitten auf die kleine Wildwiese. Zwei flache Steine sorgen für stabilen Halt. Schnell eine Tischdecke und die Stühle säubern.

Wie der Kaffee duftet. Die Sonne lugt durch den Ahorn, wirft Lichtkringel auf Honig und ofenwarmes Baguette. Zu Fünft ist es eng, aber gemütlich. Alles schmeckt herrlich. Ich lehne mich nach hinten, blinzele der Sonne genüsslich zu. Von überall her strömt wohltuende Ruhe. Zwei Katzen streifen durch die Büsche, gesellen sich zu einem Teller Milch – für eine Weile ist nur ihr leises Schlabbern zu hören.
Gesättigt entstehen erste Pläne und wir beschließen, den Garten in Angriff zu nehmen.

Mein Mann verschwindet hinter dem Haus, holt einen Eimer und nach kurzer Zeit ist ein kleiner Weg freigelegt. Laub, abgemähtes Gras wird aufgeschichtet, ein Strauch hochgebunden. Sogar eine Grillstelle kommt zum Vorschein. Langsam klettert die Sonne höher. Es wird heiß. In kleinen Rinnsalen bahnt sich der Schweiß seinen Weg bis zum Bauchnabel. Die lange Hose klebt – ich tausche sie gegen eine kurze. Mein Mann lächelt – die Kinder grinsen. Immer wieder streift der Handrücken die Feuchte aus dem Gesicht. Die Erde dampft – ich dampfe. Lila und gelb blüht es um uns herum. Eine Blindschleiche gleitet über den Zufahrtsweg, jeder Schritt scheucht ein paar Grillen auf. Während ich durch den Garten streife, kommt leichter Wind auf. Der Sommerflieder lockt betörend und im Auf und Ab der Schmetterlingsflügel tanzt mein Blick staunend mit.

Ich hole die Kamera, verliere mich zwischen Zweigen und Gesumme in der Wildnis des Gartens, nehme die erdige Würze in tiefen Zügen auf…

     Am Abend
     satt vom Schauen -
     lese Goldmund


(
24-12-2007)

letzte Änderung: 18-3-2012